Track 6: God (Everything Is Alright)

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(Vorbemerkung: Wer den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die menschliche Zivilisation leugnet, braucht an dieser Stelle nicht weiter lesen. Nichts gegen euch persönlich, aber ich kann auch nicht mit Menschen über Mathematik diskutieren, die anzweifeln, dass eins plus eins zwei ergibt – es hat einfach keinen Sinn und ist ermüdend für alle Beteiligten)


Obwohl „God“ sicherlich einer der komplexesten und düstersten Songs auf „Strategies…“ ist, war er eigentlich ganz anders gedacht.

Die Idee zu „God“ kam mir, während ich mich eines Nachmittags durch die Inhalte der traurigen Überbleibsel von SPIEGEL Online klickte.

Von Menschen war da die Rede, die mit sehr schnellen Autos schneller im Kreis gefahren waren als andere Menschen, und die deshalb jetzt Millionen an Talern bekamen, oder was auch immer.

Es wurde berichtet, wie die Anleger an den Aktienmärkten auf irgendeine Scheiße reagiert hatten, die irgendein Mensch von sich gegeben hatte, der noch keinen Tag seines Lebens mit Arbeit verbracht hat.

Es wurde berichtet von Lifestyle-Influänzern, die Millionen an Talern verdienen, indem sie dieses oder jenes Produkt in die Kamera halten.

Von Krieg war die Rede, und wie sie sich im nahen Osten erneut gegenseitig die Schädel einschlagen, und ob man da für Millionen von Talern Kampfdrohnen hinschicken solle oder nicht. Und es wurde die Frage gestellt, ob unsere Soldaten bereit wären, das Vaterland zu verteidigen, wenn Putin noch ein bisschen mehr durchdreht.

Ein Fußballer wurde für Millionen von Talern vom einem Verein an den anderen verkauft oder irgendwie sowas in der Art.

Und immer wieder Gott, denn der Papst hatte irgendwas gesagt, und die sich die Köpfe einschlagenden Menschen sind sich sicher, dass ihr jeweiliger Gott auf ihrer Seite ist, und die Nazis in Amerika sind der Meinung, dass man sie wählen muss, wenn man an Gott glaubt, oder so ähnlich.

Und so weiter und so fort.

Und dann dachte ich an Gott, und was er wohl von der gigantischen Scheiße hält, welche die Menschheit gerade baut.

Und dann saß ich da, und mir wurde bewusst, wie unglaublich traurig und lächerlich das alles ist.

Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung.

Wer sich den Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change durchliest, der sieht schwarz auf weiß, wie sehr die kommenden Generationen leiden werden, wenn wir es nicht schaffen, den Klimawandel ernsthaft zu bekämpfen.

Und wir schaffen es nicht.

Alles, was wir tun können, ist: Menschen, die eigentlich nichts tun, Millionen von Talern zuzuschustern, uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen und dafür den einen oder anderen Gott verantwortlich zu machen. Gott soll die Unseren beschützen, und Gott soll uns zum Sieg führen. Nebenbei wählen wir wieder die Nazis in die Regierung, weil die Ausländer kriegen ja all die Taler die wir nicht kriegen, wir ignorieren Wissenschaft und Forschung, wir lassen uns von Königen regieren, und ansonsten, naja, Gott wird’s schon richten.

Puh. Gott tut mir leid.

Ich will auf „Strategies…“ nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen oder den Leuten erzählen, wie dumm sie sind. Sowas bringt nichts. Die Menschen, die damit angesprochen werden sollten, die hören meine Musik eh nicht, und sollten sie es doch tun, so wären sie danach in ihrer „Meinung“ nur noch bestärkter.

Und so ist „God“ auch keine Moralpredigt, sondern es ist nur meine ganz persönliche Auseinandersetzung damit, wie fürchterlich albern ich das alles finde – und dass Gott mir ernsthaft leid tut.

Eigentlich war nicht geplant, dass das Lied so düster wird. Ich hatte es hauptsächlich ironisch konzipiert, was noch daran zu erkennen ist, dass ich den Text singe wie ein Priester, der eine Liturgie intoniert (und wer mich kennt, der kann sich gut vorstellen, dass ich beim Singen von Zeilen wie „God bless our heroes on the racing track“ mein vernichtendstes Lächeln auf den Lippen hatte)

Aber mit der Zeit wurde der Song trotzdem dunkler und dunkler – weil es halt kein witziges Thema ist. Weil Menschen leiden, und noch mehr Menschen in Zukunft noch mehr leiden werden.

Und eigentlich könnte mir das alles auch vollkommen egal sein, denn ich habe keine Kinder, und ich werde auch keine Kinder mehr bekommen.

Aber andere Menschen setzen halt wie verrückt welche in die Welt – insbesondere jene, die sich mit Gott™ ausgestattet wähnen.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wer mir mehr leid tut – Gott, oder diese Kinder.


P.S.: Der dunkle, dröhnende Ton, der auf „God“ immer wieder zu hören ist, sind die hörbar gemachten Bewegungen des Schelfeises in der Antarktis – das sich nicht darum schert, welcher Clown die mächtigste Nation der Erde anführt, oder welcher Rennfahrer mehr aufs Gaspedal getreten hat als der andere.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Track 6: God (Everything Is Alright)“

  1. […] „Just Like That“ ist in mehrerlei Hinsicht das genaue Gegenteil von „God“ […]

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