Track 4: Niar

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Ein schwüler Sommerabend in einer Holzhütte am Fuße des Reinhardswaldes. Die Wolken sind den ganzen Tag am Himmel. Wolkentürme sogar, riesige, erhabene Wolkentürme. Doch nichts davon möchte runter kommen. Stattdessen wird es nur noch heißer, noch drückender.

Dann, spät am Abend, schließlich vereinzelte Regentropfen. Buba liegt auf dem Sofa, sie schaut misstrauisch zum Fenster, ihre Nase bewegt sich aufgeregt, als sie den Regen erschnüffelt. Ich schaue sie an, sie schaut zurück. Geh ruhig raus, scheint sie mir zu sagen, ich kann mit Regen nicht so viel anfangen, aber Du scheinst ihn zu brauchen.

Ich gehe nach draußen, laufe los, über die große Straße, hinunter zur Weser, die seit Jahrtausenden am kleinen Waldenserdorf Gottstreu vorbei fließt, gleichgültig den Menschen und ihren Errungenschaften und ihrem Versagen gegenüber.

Ich strecke die Arme aus, möchte den Regen auf meiner Haut fühlen – doch es fühlt sich anders an als erhofft. Es ist zu heiß. Der Regen ist warm, er vermischt sich mit meinem Schweiss, um dann zu verdunsten. Es fühlt sich an, als würde der Regen rückwärts fallen.

Niar.

Schließlich hört der Regen ganz auf. Ich stehe am Ufer der Weser, am anderen Flussufer spiegeln sich die Lichter der Gaststätte. Ich höre das Wasser fließen, die Grillen zirpen, ansonsten ist es ruhig. Ab und zu in der Ferne ein Guscht auf seinem Motorrad.

Ich weiss noch nicht, dass es mein letzter gemeinsamer Sommer mit Buba im Wesertal sein wird. Ich weiss noch nicht, dass ein Schwelbrand die Hütte in zwei Jahren unbewohnbar machen wird… und ich weiss noch nicht, dass all der Regen, der die letzten Tage nicht fallen wollte, schließlich in einer einzigen Nacht über Gottsbüren und Reinhardshagen niedergehen wird.

Hätte ich das alles gewusst, hätte ich vermutlich ein anderes Stück Musik geschrieben in dieser Nacht. Aber so wurde es “Niar”, ein Instrumental darüber, wie der Regen rückwärts fällt, und wie die Erlösung so nahe scheint aber einfach nicht kommen möchte.

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