Ich hätte nie im Leben gedacht, dass „Strategies Against Algorithms“ einen solchen Zuspruch bekommen würde.
Mit der ungewöhnlichen Art des Vertriebs und den Erfahrungen mit meinen vorherigen Produktionen war ich tatsächlich davon ausgegangen, nicht mehr als 10 Alben zu verschicken. Aber hier sitze ich jetzt, vier Monate später, und warte darauf, dass endlich die nächste Lieferung USB-Sticks aus Fernost hier ankommt, damit ich die Exemplare 52-58 auf den Weg bringen kann. Es ist unglaublich, ich könnte glücklicher nicht sein.
Aber noch unglaublicher ist das Feedback, das ich von euch bekomme.
Ihr schreibt mir, wir sind in Kontakt, wir tauschen uns über die Songs und über Musik und über Kunst und Kultur im Allgemeinen aus, und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn normalerweise bewegt sich das Feedback auf meine Musik sehr nahe an der Quadratwurzel von überhaupt nichts.
Mit diesem Zuspruch reifte nun schon vor einigen Wochen die Idee in mir, mich bei euch mit einer kleinen Artikelserie über die Lieder auf „Strategies Against Algorithms“ zu bedanken.
Viele von euch fragen mich über die Songs und die Hintergründe dazu aus (und einige wissen aus diesem Austausch auch schon, dass ich das hier machen werde, ja, ja ;-))… warum also nicht zum Abschluss für alle mal ein bisschen ausführlicher was darüber schreiben?
Nun, da die Aktion noch 25 Tage lang läuft, scheint mir ein geeigneter Zeitpunkt zu sein, mit den Liner Notes zu beginnen. Ich werde einfach die Songs nacheinander abhandeln – in der Reihenfolge, in der sie auch auf dem Album sind.
Kings
“Kings” ist nicht nur der erste sondern auch der ältetste Song auf “Strategies Against Algorithms”.
Ich schrieb ihn bereits 2022 – damals hatte ich gerade erste Achtungserfolge mit meinem Debut-Album, „The Drunken Fisherman (And Other Stories)“ erzielt und war nun beseelt von der Idee, meine Musik als Nächstes wieder auf die Bühne zu bringen und zu diesem Zweck ein paar neue reduzierte und minimalistische Songs zu schreiben, die sich bequem mit einer Minimalbesetzung von motivierten Mitmusikern (Gesang, Gitarre und ich) aufführen lassen würden.

Nun, aus dieser schönen Idee wurde nichts, weil, äh, nun ja, Sie wissen schon, motivationsdynamische Differenzen und dringende andersweitige terminliche Verpflichtungen auf Seiten meiner dann-eben-doch-nicht-Mitmusiker.
Und so verschwand “Kings” wieder in meiner großen Seemannskiste mit unveröffentlichten Songs, ich begrub meine Live-Pläne und begab mich stattdessen auf eine gänzlich andere Reise, aus der dann erst “Biike” und schließlich “Malers Hüs” hervorgehen würden.
Als ich letztes Jahr dann auf die Idee kam, ein Offline-Album zu machen, stolperte ich auf der Suche nach geeignetem Material wieder über “Kings” – und ich war vollkommen baff, wie sehr sich die Zeiten geändert hatten und wie die Wirkung meines Songs nun eine ganz andere war.
Als ich “Kings” 2022 schrieb, war es als eine Art Warnung gedacht. Meine Anweisung an meine damalige Sängerin war diese gewesen:
“Sing’ es wie ein trauriges Wiegenlied, wie eine Mutter, die ihrem Kind erklärt, wie die Welt funktioniert – sanft, liebevoll aber auch resigniert und entsetzt, dass sie nichts daran ändern konnte”.
Heute, fünf Jahre später, ist dieses Lied drauf und dran, ganz einfach nur die nackte Realität auf diesem Planeten zu beschreiben – und wir sind diejenigen, die nichts daran ändern konnten.
Ich sollte vielleicht nicht mehr vor Dingen warnen.

